Patienten mit Lewy-Körper-Demenz leiden öfter an Störungen des Verdauungstraktes

Kyoto (pts009/21.09.2017/09:00) – Patienten mit Lewy-Körper-Demenz leiden deutlich häufiger an Störungen des oberen Gastrointestinaltrakts als etwa Parkinson-Kranke. Das zeigt eine Studie, die auf dem XXIII. Weltkongress für Neurologie vorgestellt wurde. Dieses wissenschaftliche Großereignis findet vom 16. bis 23. September in Kyoto statt. „Das kann darauf hindeuten, dass diese Form der Demenzerkrankung bei älteren Patienten zur akuten intestinalen Pseudoobstruktion führt“, so einer der Studienautoren, Ass.-Prof. Ryuji Sakakibara von der Neurologischen Abteilung am Sakura Medical Center der japanischen Toho University.

Die Lewy-Körper-Demenz ist nach dem Morbus Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Demenz im Alter. Auch wenn es keine genauen Zahlen zur Inzidenz und Prävalenz gibt, gehen Experten davon aus, dass etwa jede fünfte Demenzerkrankung auf die, nach dem deutschen Neurologen Friedrich H. Lewy benannten, Einschlüsse im Zytoplasma des Gehirns zurückzuführen ist. Dabei handelt es sich um Proteine, die abnorm mit Phosphaten angereichert wurden und unter anderem die Bildung des Botenstoffs Dopamin verringern. Lewy Körperchen können auch bei Morbus Parkinson eine Rolle spielen. Verlässlich nachweisen lassen sich die Protein-Einschlüsse zwar erst nach dem Tod, dennoch sind die Hauptsymptome der Lewy-Körper-Demenz inzwischen so gut erforscht, dass sich die Krankheit verlässlich diagnostizieren und von anderen Demenzformen abgrenzen lässt. So zeichnet sich die Lewy-Köper-Demenz typischerweise durch hohe Schwankungen der Symptomatik aus, zudem treten visuelle Halluzinationen signifikant häufiger auf als bei Alzheimer. Ein weiteres Indiz kann die Überempfindlichkeit gegenüber Neuroleptika und L-Dopa sein.

Weniger gut untersucht waren bislang dagegen Begleitsymptome der Krankheit wie etwa die Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt und die Verdauung. Wie die nun vorgestellte Untersuchung zeigt, leiden Patienten mit Lewy-Körper-Demenz deutlich häufiger an Magen-Darm-Problemen als bisher angenommen. Für die Studie unterzogen die japanischen Forscher 16, im Schnitt 77jährige, Patienten mit Lewy-Körper-Demenz einer Darmspülung, maßen die Darm-Transitzeit und verglichen die Ergebnisse mit jenen von 46 Parkinson-Patienten. Dabei stellte sich heraus, dass die Demenzkranken mit durchschnittlich 63,2 Minuten deutlich länger für die Entleerung ihres Magen brauchten als die Vergleichsgruppe, die den Speisebrei im Durchschnitt rund zehn Minuten schneller weiter beförderte. Während in der ersten Gruppe bei 42,1 Prozent der Teilnehmer sogar mehr als 75 Minuten bis zur vollständigen Entleerung des Magens vergingen, dauerte der Vorgang in der Parkinson-Gruppe bei nur 15,2 Prozent so lange. Bei der gesamten Durchgangszeit der Nahrung durch den Verdauungstrakt konnten die Forscher dagegen keine Unterschiede zwischen den Patientengruppen feststellen.

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