Gewalt gegen ältere Menschen

Gewalt an alten – oft pflegebedürftigen – Menschen hat viele Gesichter. Sie ist schwer vorstellbar und trotzdem allgegenwärtig. Manche Gewaltvarianten sind ein Fall für Polizei und die Gerichte, andere Formen erzeugen Einschränkungen der Lebensqualität oder des Selbstbestimmungsrechtes. Im Rahmen einer Fachtagung am 24. März 2015 trafen sich verschiedene Experten mit mobilen Pflegerinnen und Pflegern aus Oberösterreich in den Räumlichkeiten der Franziskanerinnen in Vöcklabruck.

Der Pensionistenverband OÖ organisierte diese Tagung mit dem Ziel, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die verschiedensten Erscheinungsformen von Gewalt zu informieren, um im Falle des Falles rechtzeitig und zielgerichtet entgegensteuern zu können.

Dr.in Margit Scholta, Verein Pro Senectute, MMag.a Michaela Schweighofer, Landesgericht Linz, und BezInsp Maria M. Deischinger, Landeskriminalamt Oberösterreich, informierten in ihren Referaten über Erkenntnisse, Herausforderungen und Perspektiven zum Themenbereich „Gewalt gegen ältere Menschen“.

Zum Beispiel wurde erörtert, ab wann die Einschränkung des Bewegungsfreiraumes bei Dementen eine Freiheitsentziehung darstellt, wann eine auf Zwang beruhende Pflegehandlung Gewalt charakterisiert und was zu tun ist, wenn Pflegende Misshandlungsspuren an einem betreuten Menschen feststellen.

„Wenn einer alten Dame die Handtasche geraubt wird, empört sich die Öffentlichkeit völlig zu Recht. Es besteht aber nach wie vor geringes gesellschaftliches Interesse, wenn z.B. einem dementen Mann von einer Vertrauensperson das Geld entzogen wird oder eine Verletzung unerklärbar bleibt“, meinte dazu der Moderator der Veranstaltung Franz Krois, Pensionistenverband OÖ.

Es ist unserer Gesellschaft nicht würdig, dass sich ältere Opfer dafür schämen, wenn sie Gewaltsituationen oder Unrecht, welcher Art auch immer, ausgesetzt sind. Der demografische Wandel wird uns zur Enttabuisieren dieses Themas zwingen. Eine Schärfung des Problembewusstseins innerhalb der Bevölkerung kann die Bereitschaft erhöhen, beobachtete Gewaltsituationen anzusprechen und die Initiative zu ergreifen!“, waren sich die Experten und mobilen Pflegerinnen und Pfleger einig.

Wir sollten darüber reden – denn wie hat J.P. Sartre es schon in Worten ausdrückte: Die Gewalt lebt davon, dass sie von anständigen Menschen nicht für möglich gehalten wird.